Pechvogel Robin Ganter greift wieder an
„Ich bin nach meinen Verletzungen mit Gold und Silber total zufrieden“ meinte der 25-Jährige. Über 200 Meter wurde er in 21,01 Sekunden souverän Deutscher Meister, über 60 Meter holte er in einem Herzschlagfinale Bronze und blieb mit 6,57 Sek nur eine Hundertstel über seiner Bestzeit, das fast noch wertvollere Ergebnis.
„Ich bin somit in vier Jahren nacheinander mit einer Medaille von Deutschen Meisterschaften nach Hause gekommen“, bilanzierte Ganter seine Leistungen, „und ich bin vor allem froh, dass es nach zwei Verletzungsjahren endlich wieder aufwärts geht“, war Ganter spürbar erleichtert.
Rückblick auf 2024: bei der EM in Rom sprintet Ganter in 10,21 Sekunden als Vierte des Halbfinals in den Endlauf. Doch just beim Überlaufen der Ziellinie erfährt er eine Verletzung im Beuger. Sowohl das Einzelfinale als auch sein Einsatz in der DLV-Sprintstaffel, beides große Ziele, sind passé. Und auch das große Karriereziel, die Teilnahme bei den Olympischen Spielen in Paris kann Ganter nicht realisieren. Robin Ganter, der große Pechvogel.
Der Start in die WM-Saison 2025 verläuft vielversprechend. Er holt in Dortmund beide Hallentitel über 60 und 200 Meter. Doch danach ereilt ihn eine schmerzhafte Schambeinentzündung. Wieder folgt ein lange Wartezeit. „Die Freiluftsaison war frustig“ sagt er im Rückblick. Ganter der Pechvogel eben.
Ganter hatte lange die Doppelbelastung Beruf und Leistungsport auf sich genommen. Als Mechatroniker hatte er 39 Stunden in der Autowerkstatt gearbeitet und quasi nebenher seine sportliche Karriere vorangetrieben. Doch 2024 hat er „umgesattelt“, ist zur Bundeswehr gegangen. Er trainiert bei seinem Vater in Mannheim und von Merlon Odom, der zuvor in Stuttgart tätig war, wird er in den USA betreut. Ganter war Ende vergangenen Jahres für zwei Monate bei Odom in Houston (Texas) im Training, die Zusammenarbeit läuft sehr gut. Nach der Hallensaison geht er wieder in die USA ins Trainingslager. Er möchte sich dort gezielt auf die EM in Birmingham vorbereiten und dort weiter angreifen. „Ich habe bei der EM das verpasste Finale von Rom nachzuholen“, sagt er. Ganter der Motivierte.
Auf dem Weg dorthin sind die Erkenntnisse von Dortmund durchaus vielversprechend. Im 60 Meter-Finale lagen die drei Medaillengewinner Owen Ansah (Hamburger SV, 6,55 s), Kevin Kranz (Wetzlar, 6,56 s) und Ganter (6,57 s) ganze zwei Hundertstel auseinander. Das gab es seit Jahren nicht im deutschen Männersprint. Trotz dieser starken Zeit hat er kein allzu großes Interesse an der Hallen-WM in Torun (Polen) Mitte März. „Da würde ich für die Vorbereitung des Sommers drei Wochen Trainingsarbeit verlieren“.
Aus seinen 200 Meter-Rennen in der Körnig-Halle berichtet Ganter: „Die Bahn in Dortmund ist nicht so leicht zu laufen, weil sie in den Kurven Wellen drin hat“. Er sei deshalb zwischendurch ganz schön „rumgeeiert“.
Zwischen allen sportliche Aussagen tauchen bei Robin Ganter immer wieder Gedanken bezüglich seiner Gesundheit auf. Das „Pechvogel-Dasein“ hat in seinem Körper Spuren hinterlassen. „Ich freue mich gerade am meisten darüber, dass ich gesund bin!“ Und jeder, der ihm genau ins Gesicht schaut und zuhört spürt, das ihm das fast wichtiger ist als Siege und Medaillen.