29.09.2019
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Geher Dohmann glänzt in der Hitzeschlacht von Doha

Die deutschen Geher haben am Samstagnacht ein Musterbeispiel für Kampfgeist und Willenskraft abgeliefert. Am Ende einer Hitzeschlacht bei Nacht hatte Carl Dohmann das bis dahin beste Teamergebnis für den DLV abgeliefert.

„Von diesem Wettkampf wird man noch in zehn Jahren reden“, prophezeite Carl Dohmann (SCL Heel Baden-Baden), nachdem er am Vormittag wenigstens ein paar Stunden im Bett verbracht hatte. Die Bedingungen, die Atmosphäre, aber auch die Ergebnisse sind in der Tat denkwürdig. Hatte der 29-Jährige Student im Vorjahr bei der EM in Berlin als Fünfter ein starkes Ergebnis abgeliefert, sagte er jetzt zurecht: „Der siebte Platz von Doha ist mein Karrierehöhepunkt“. Der dreifache Deutsche Meister, der als Neunjähriger aus dem Ruhrgebiet nach Baden-Baden gekommen war, studiert in Freiburg Geschichte und Volkswirtschaft.

Noch Stunden nach dem Wettkampf war Dohmann gezeichnet. Als die Menschen in Doha ins Bett gingen, machten sich die Geher auf die 50-Kilometer-Strecke. Die Temperatur lag bei 32 Grad, die Luftfeuchtigkeit bei 75 Prozent, die Strecke taghell beleuchtet und doch: es war ein Wettkampf in der Nacht. Ungewohnt für diese Ausdauersportler. Dohmann steuerte seine Taktik mittels Pulsmesser am Handgelenk. Auf dem  Kopf die neue Eismütze, die eine dauerhafte Kühlung im Nacken garantierte. Und dann: Wasser, Wasser, Wasser aufnehmen.

Das dreiköpfige DLV-Team mit Carl Dohmann, Nathanael Seiler (TV Bühlertal) und Jonathan Hilbert (LG Ohra Energie) wartete mit einer Glanzleistung in Sachen Willenskraft und Durchhaltevermögen auf. „Wir waren bestens auf diese Bedingungen vorbereitet“, sagt Hilbert am Nachmittag vor der Presse. Jammern über die ungewohnten Rahmenbedingungen helfe nichts, sagen die drei deutschen Geher einhellig, da müsse man die richtige Einstellung an den Tag beziehungsweise in die Nacht legen.

Fast die Hälfte der Teilnehmer ist frühzeitig ausgeschieden, Olympiasieger und Weltmeister ist nicht ins Ziel gekommen. „Ich glaube wir haben mit unserem Einsatz und unseren Leistungen dennoch Werbung für den Gehsport betrieben“, sagt ein sichtlich zufriedener Dohmann. Er hatte sich im Verlauf des Wettkampfes von Platz 15, 13 schließlich auf Platz sieben vorgekämpft. Dank einer klugem Taktik.

„Wer hier zu schnell angeht, ist verloren“ warteten Dohmann, Hilbert und Seiler mit derselben Taktik auf.  Der Thüringer Hilbert landete auf einem respektablen 23. Platz. „Das Rennen war extrem hart“, fasste Nathanael Seiler seine denkwürdigsten Geher-Stunden zusammen. Ab Kilometer 20 verspürte er Krämpfe, kämpfte bis fünf Kilometer vor dem Ziel,  und wurde dann vom DLV-Ärzteteam aus dem Wettbewerb genommen.

Am Ende war es mit einer Siegerzeit von 4:04,20 Stunden das langsamste Geher-Rennen der WM-Geschichte. An Bestzeiten war nie zu denken. Den Bedingungen Tribut gezollt. Für die deutschen Geher war es die kürzeste Nacht ihres Lebens. „Um 3:40 Uhr bin ich durchs Ziel, Dopingkontrolle, um 6:40 Uhr ins Hotel gekommen, Duschen, dann, nein, nicht ins Bett, wir haben danach gefrühstückt und sind dann ins Bett“, lässt Dohmann diese denkwürdige WM-Nacht Revue passieren.

Es spricht für die Qualitäten der deutschen Geher: sie werfen schon einen Blick voraus. Von Doha nach Tokio. Startzeit beim olympischen 50 Kilometer Gehen: 5:40 Uhr. Auch sehr ungewöhnlich. Die Luftfeuchtigkeit soll dort noch höher sein als am Persischen Golf. „Doha hat uns die Erkenntnisse geliefert für Tokio“, blickt Dohmann in den kommenden Sommer. Eine Gute Form, eine gute Kühlung und die richtige Einstellung sind dafür notwendig.

In der Nacht von Doha sind die deutschen Geher aus dem Schatten getreten und haben sich viel Anerkennung verschafft.     

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